Unsere Abstammung

Hintergründe und Fakten

Franzisco-Josefinische Landesaufnahme (1869-1887)

Die Franzisco-Josephinische Landesaufnahme[1] oder Dritte Landesaufnahme ist ein Landkartenwerk der österreichisch-ungarischen Monarchie der 1870er–1880er Jahre. Sie ist nach Kaiser Franz Joseph I. benannt. Sie war nach der Josephinischen Landesaufnahme der 1760er–80er (Joseph II.) und der Franziszeische Landesaufnahme der 1810er–50er (Franz I.) das dritte große Kartierungsprojekt der Habsburgermonarchie.

Sie besteht aus 2780 farbigen Aufnahmeblättern, die nach dem Ende der Monarchie 1918 auf deren Nachfolgestaaten verteilt wurden, und 752 Blättern der Spezialkarte sowie abgeleiteten Kartenwerken, die in Archiven und teils auch schon online zugänglich sind.

Die Franzisco-Josephinische Landesaufnahme entstand in den Jahren 1869 bis 1887, nach Fertigstellung der Unterlagen des Grundsteuerkatasters (Katasteroperat). Ihre Blätter wurden (zumindest für Gebiete der Republik Österreich) bis in die 1960er-Jahre weitergeführt. Aufgenommen wurde die gesamte Monarchie.

Die Landesaufnahme trug nach ihrem Initiator, Feldmarschall-Leutnant Freiherr von Kuhn auch den Namen Kuhn'sche Landesaufnahme. Im Vergleich zu Kartenwerken des 20. Jahrhunderts wird das Werk alte Landesaufnahme genannt, obwohl es mit der Josephinischen Landesaufnahme (Erste Landesaufnahme) und der Franziszeischen Landesaufnahme (Zweite Landesaufnahme) zwei ältere Kartenwerke in der Monarchie gibt.

Die Vorgaben für die Landesaufnahme beruhten auf den Erfahrungen mit ihrer nicht fertiggestellten Vorgängerin, der Franziszeischen Landesaufnahme: Die Aufnahme war nicht mehr getrennt nach Kronländern, sondern zusammenhängend zu erarbeiten, es war ein größerer Maßstab als 1:144.000 sowie Höhenschichtlinien zu verwenden. Ansprüche des zivilen Sektors waren zu berücksichtigen. Der entsprechende Vortrag des Reichskriegsministers vom 7. Oktober 1869 wurde zwei Tage später von Kaiser Franz Joseph genehmigt.

Die Arbeiten an der Landesaufnahme wurden durch das Militärgeographische Institut durchgeführt. Küstengebiete wurden mit Unterstützung durch das Hydrographische Amt in Pola bereits seit 1854 erfasst.

Im Rahmen dieser Landesaufnahme wurde erstmals das metrische System verwendet. Weiters wurden Höhenangaben erstmals mit einer Kombination aus Schraffen (Bergstriche genannt) und Höhenschichtlinien dargestellt. Die Steilheit des Geländes wurde bei der Schraffendarstellung durch das Verhältnis der Strichstärke der Schraffen zu der Breite des Zwischenraumes zwischen den einzelnen Schraffenstrichen ausgedrückt.

Weitere Grundlage der Vermessungsarbeiten war eine neue Triangulierung im Rahmen der Europäischen Gradmessung 1867.

Die Blätter der Landesaufnahme entstanden von 1869 bis 1887. Siebenbürgen und Tirol waren die ersten Kronländer, die in der Landesaufnahme erfasst wurden, wobei in Tirol die relativ aktuellen Ergebnisse der Arbeiten am Franziszeischen Kataster berücksichtigt werden konnten, der in Tirol und Vorarlberg 1861 abgeschlossen worden war. 1885 bis 1888 wurde als letztes Gebiet Bosnien erfasst. Die kurze Zeit von nur 18 Jahren für die Erstellung des umfangreichen Kartenwerkes war beispiellos, erregte internationales Aufsehen und trug dem Militärgeographischen Institut eine Reihe von Auszeichnungen ein. Aus den Aufnahmeblättern wurden mehrere Kartenwerke kleinerer Maßstäbe (Folgemaßstäbe) abgeleitet, von denen aber nur die Spezialkarte 1:75.000 fertiggestellt werden konnte.

Die Anerkennung, die die kartografische Erfassung des damals noch türkischen Gebietes in Südosteuropa erhalten hatte, bewog die Regierung Griechenlands, ebenfalls um Unterstützung bei der Vermessung ihres Staatsgebietes zu ersuchen. Daraufhin wurde von der österreichisch-ungarischen Monarchie eine geodätische Mission gebildet, die ab 1889 in Griechenland arbeitete und dort einheimisches Personal ausbildete. Die Aufnahme von Griechenland wurde 1896 vollendet.

Die Franzisco-Josephinische Landesaufnahme wurde durch die Vierte Landesaufnahme, auch Präzisionsaufnahme, 1896– 1987 ersetzt, die die Basis der heutigen Österreichische Karte (ÖK) bildet.