Unsere Abstammung

Hintergründe und Fakten

Matriken - die kirchlichen Aufzeichnungen

Unter Kirchenbüchern versteht man die in der Pfarre verwahrten Bücher, in denen Taufen, Trauungen, Todesfälle bzw. Einsegnungen festgehalten werden. Die Eintragungen erfolgen chronologisch. Man nennt Kirchenbücher auch Kirchenmatrikel, oder Kirchenmatriken, oft auch nur Matrik, oder Matrikel. Es gibt jeweils ein Buch für

Taufen

Dieses Buch dokumentiert die Taufen, die in einer Pfarre stattgefunden haben. Im Taufbuch stehen die Geburtsdaten, Datum, Wohnort, wer die Eltern sind, wer die Paten sind. In früheren Zeiten stand oft auch noch wer die Eltern der Eltern waren, und welche Berufe die Personen ausgeübt haben.

Heiraten - Heiratsdaten

Werden im Heiratsbuch eingeschrieben. Dort steht geschrieben, wann die Hochzeit war, wie die Ehepartner heißen, welche Berufe sie zum Zeitpunkt der Hochzeit hatten, die Namen der Treuzeugen, oft auch wie die Eltern der Eltern hießen,

Todesfälle

Werden im Totenbuch, oder im Sterbebuch aufgezeichnet. Man findet dort Ort und Zeitpunkt des Todes, oft auch die Todesursache, und den Beruf des Toten. Allgemein gilt, dass die Angaben oben sehr stark abweichen können, weil das was ins Buch geschrieben wurde immer von den Gewohnheiten und Vorlieben des jeweiligen Pfarrers abhing. Im Kirchenbuch waren alle im Prinzip gleich, weil die Eintragung unabhängig von Geschlecht, Stand oder Vermögen durchgeführt wurde. Es kam jedoch vor, dass einzelne Kirchenbuchautoren sich in den Bemerkungen, eine persönliche Wertung der jeweiligen Person und deren Lebensumstände gestattete.

Geschichte der Aufzeichnung

Die ersten Kirchenbücher entstanden schon im 16. Jahrhundert, damals oft noch im Auftrag des Landesherren, und waren dort noch handschriftlich erstellt. Erst mit dem frühen 19. Jahrhundert gab es Vordrucke, die eine mehr oder minder einheitliche Struktur in die Kirchenbücher brachten. In der Österreichischen Monarchie wurden die Kirchenbücher im Vordruck der Landessprache des jeweiligen Kronlandes angepasst. Ein Alphabetisches Namensregister wird erst ab dem 19. Jahrhundert gebräuchlich, war aber nicht Pflicht, und lag somit im Ermessen des Pfarrers.

Kirchenbücher wurden im Zeitalter des päpstliche Absolutismus im 16. bzw. 17. Jahrhundert eingeführt. Man befand sich mitten in der Gegenreformation, der Glaube war gespalten in katholische und protestantische Lehre. Papst Paul III. (er war Papst von 1534-1549) berief das Trienter Konzil (1545-1549) zu seiner 24. Sitzung ein. Sein Ziel war es die Postition der katholischen Kirchen in bewegten Zeiten abzusichern. Die Einführung von Kirchenbüchern wurde am 11. November 1563 als Maßnahme im Kampf gegen den Zwinglianismus und Kalvinismus eingeführt. Man dokumentierte wie viele Menschen katholischen Glaubens waren, und führte die die vom Glauben abgefallen waren in parallelen Registern, den sogenannten Simultanregistern, wenn man kein separates Büchlein führte wurden die Ortsansässigen Protestanten als „operarii lutheranii“ im katholischen Kirchenbuch, was solviel bedeutet wie „im Sinne Luthers tätig“, gekennzeichnet.

Zunächst führte man Taufbücher und Heiratsbücher ein, Sterberegister gab es erst ab 1614, dies wurde im im Rituale Romanum beschlossen, als man auch die Formulare für die Tauf und Ehebücher vereinheitlichte. Praktisch konnte die großflächige Wirksamkeit erst nach Ende des Dreißigjährigen Krieges umgesetzt werden. Auch andere Kriege, wie die Türkenkriegen 1529, 1683, die Napoleonischen Kriege 1797-1809 und nicht zuletzt der II. Weltkrieg 1938 – 1945 führten dazu dass immer wieder Kirchenmatriken verloren gingen.

Erst Kaiser Joseph II. (Regierungszeit 1780-1790) führte im Zuge zahlreicher Reformen die Verpflichtende doppelte Führung von Kirchenbüchern ein. Am 20. Februar 1784 wurde eine Verfügung unterzeichnet, die die Art und Weise der Führung von Kirchenmatriken vorschrieb. Die neue, dem Pfarrer obliegende Pflicht Personenstandsregister über das Jahr zu führen und auszuwerten war für den Staat wichtig. Diese Statistiken wurden an das Kreisamt gesendet, man verfügte nun über die Bevölkerungszahlen, und konnte die Zahl der wehrpflichtigen Männer in den Konskriptionsbezirken bestimmen.

Am 1. Jänner 1876 wurde im deutschen Reich ein Personenstandsgesetz verabschiedet, die staatlichen Standesämter führten nun die Bücher. Kirchliche Aufzeichnungen wurden aber parallel in gewohnter Form weitergeführt. Eine besondere Bedeutung kam den Kirchenbüchern in der NS Zeit zu, als der Abweis der Nachstammung vom Staat gefordert wurde. Es war notwendig sich Abschriften aus Kirchenbüchern zu besorgen, die Pfarre bestätigte die Richtigkeit der Angaben. Damals entstanden auch die Dorfsippenbücher. Die Kirchenbücher wurden verkartet, und die Menschen entsprechend Ihrer Zusammengehörigkeit zu Familien zusammengefasst.

Viele alte Kirchenmatriken werden heute in Archiven zentral aufbewahrt, um sie so vor dem Verlust zu schützen. Einige Kirchenbücher wurden mikroverfilmt. Ansprechpartner für diese Mikroverfilmungen sind die Deutsche Zentralstelle für Genealogie in Leipzig, und die Genealogische Gesellschaft von Utah (Mormonen).

Wie liest man ein Kirchenbuch ?

Zunächst muß man das richtige Kirchebuch finden. Die Kirchenbücher sind meist nummeriert, und es gibt ein Verzeichnis, dass die Nummer einem Zeitraum zuweist. Bei Kirchenbüchern mit Namensindex steht neben dem Namen die Seite, auf der ein Eintrag zu finden ist. Sehr viele Kirchenbücher ins in lateinischer Sprache geschrieben, erst spät setzte der Gebrauch der jeweiligen Landessprache ein.

Aus dem Grund sollte man auch folgende lateinischen Bezeichnungen kennen:
Pagina: abgekürzt mit p. oder pag. ist die Seitennummer des Buches
folio: abgekürzt mit f. oder fol. ist im Prinzip das Gleiche, jedoch wird die Zusatzangabe recto (Blattvorderseite) oder verso (Blattrückseite) genauer bestimmt, wo ein Eintrag steht. Neben der Sprache gibt es weitere Kenntnisse, die man Mitbringen muß, um Kirchenbücher lesen zu können. So sind die Bücher in der Handschrift der jeweiligen Epoche geschrieben, die nicht mehr mit der heutigen Handschrift vergleichbar ist. Die Lehre von den alten Schriften nennt man Paläografie.